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2. Nationales Wirschaftsforum Wasserstoff

Wasserstoffwirtschaft in Deutschland: Hohe Erwartungen, zahlreiche Pilotprojekte und zögerlicher Markthochlauf

 

2. Nationales Wirtschaftsforum Wasserstoff in Hamburg diskutiert die Fortschritte und Defizite bei der Umsetzung der Wasserstoffstrategie des Bundes

 

Vor fast genau 3 Jahren wurde von der damaligen Bundesregierung die Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) vorgestellt, die als ein entscheidendes Instrument zur Umsetzung der Energiewende und der Dekarbonisierung wichtiger Industriezweige in Deutschland konzipiert wurde.

Was ist seitdem passiert, wieweit ist die Umsetzung der NWS gediehen, wie ist die Sicht der Industrie, der Politik, der Wissenschaft und der Verbände auf die bisher erzielten Fortschritte und wo liegen die Defizite?

Diese grundsätzlichen Fragen standen im Mittelpunkt des 2. Nationalen Wirtschaftsforum Wasserstoff, das am 24.5. in Hamburg unter der Schirmherrschaft des Ersten Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher stattfand. Hochkarätige Sprecher und Sprecherinnen aus Bundes- und Landesministerien, der Industrie,  der Wasserstoff- und Offshore Windenergie Branche und aus den Verbänden debattierten auf dem Wirtschaftsforum über alle Facetten der Wasserstoffwirtschaft. Initiiert, organisiert und moderiert wird die Konferenz von einem kleinem Team zu dem Dr. Hans-Joachim Stietzel aus Cuxhaven gehört.

Zu den 130 Teilnehmern des Wirtschaftsforums Wasserstoff gehörten auch Oberbürgermeister Uwe Santjer, der Leiter der Cuxhavener Wirtschaftsförderung Marc Itgen und Peter Miesner von der CuxHafEn GmbH, die das Forum nutzten, um politische und wirtschaftliche Kontakte zu intensivieren.

Uwe Santjer: Es ist enorm wichtig, dass wir als Stadt Cuxhaven und Marktakteur mit dem Deutschen Offshore Industriezentrum dem DOIZ, jetzt das Thema Wasserstoff adaptieren und uns Offshore-Wind-Wasserstoff (O-W-W) als Vokabular ins Pflichtenheft schreiben. Das Wirtschaftsforum Wasserstoff 2023 (WFW‘23) ist hierbei die richtige Netzwerkveranstaltung, die alle Marktplayer nun zum 2. Mal zusammenführt. Das Thema O-W-W ist komplex zu denken und Cuxhaven hat sich hierzu frühzeitig positioniert und mit dem Masterplan Wasserstoff der Stadt Cuxhaven seine Rolle bereits eingenommen und skizziert, die Energiewende umzusetzen und mitzugestalten.

Die Marktanforderungen und politischen Rahmenbedingungen für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft aus Sicht der Industrie wurden intensiv diskutiert. In seinem Impulsvortrag  verdeutlichte Gunnar Groebler, Vorsitzender des Vorstandes der Salzgitter AG das zur Zeit noch bestehende Henne-Ei Problem: „Auf der einen Seite die Versorger, die Investitionen in die Wasserstoffinfrastruktur tätigen müssen, ohne dass es heute ausreichende und konkrete Nachfrage gibt und auf der anderen Seite Verbraucher wie die Salzgitter AG, die mitten in einer Transformation sind und dabei auf Wasserstoff setzen, obwohl die benötigten Mengen noch nicht zur Verfügung stehen.“

Die Sicht des Bundes, der Bundesnetzagentur und der Länder zur Weiterentwicklung der politischen Rahmenbedingungen und der Wasserstoffstrategien bildete einen weiteren Schwerpunkt. Insgesamt herrschte Einigkeit darüber, dass bekannte und bestehende Hemmnisse, wie viel zu lange Planungs- und Genehmigungsverfahren für Infrastrukturen wie auch für Demonstrationsvorhaben dringend verkürzt werden müssen.

Dr. Melanie Leonhard, neue Wirtschaftssenatorin der Freien und Hansestadt Hamburg legt den Akzent ihres Grußwortes auf die Umsetzung der Nationalen und der Norddeutschen Wasserstoffstrategie in Hamburg: „Unser Ziel ist es, die Metropolregion Hamburg mit diversen Initiativen und Projekten zu einem nationalen Hot Spot der Wasserstoffwirtschaft zu entwickeln. Mit dem Hamburger Cluster Wasserstoffwirtschaft, der Wasserstoff-Importstrategie und dem Aufbau großer Elektrolyse Anlagen wird Hamburg zu einer Modellregion für den Wasserstoff-Markthochlauf und für eine vernetzte Energiewende. Grundlage dafür sind aber eindeutige nationale und EU-weite Regelungen und Rahmenbedingungen, die Investitionen fördern und nicht behindern.“

In der Nationalen Wasserstoffstrategie ist für die Erzeugung von Wasserstoff eine Elektrolysekapazität von rund 10 Gigawatt bis 2030 geplant. Welche Mengen müssen wir in Zukunft darüber hinaus an Wasserstoff bzw. Derivaten importieren müssen. Wo stehen wir derzeit beim Import? Welchen Beitrag kann die Offshore-Windenergie leisten? Auf diese Thematik fokussierte der Themenschwerpunkt: Nationale und internationale Wasserstofferzeugung und Rolle der Offshore Windenergie.

Einvernehmen bestand bei den Teilnehmern des Panels, dass mit dem angestrebten massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien sichergestellt werden muss, dass der Industrie ausreichend grüner Strom und grüner Wasserstoff zu konkurrenzfähigen Preisen für die Dekarbonisierung bereitgestellt wird. Die neuen Offshore-Ausbauziele von 70 GW bis 2045 bieten dafür eine sehr gute Basis, aber es herrscht immer noch Unklarheit, wieviel der bis 2030 angestrebten 10 GW Elektrolysekapazität durch Offshore Wind erzeugt werden sollen und wie die entsprechende Infrastruktur aussehen soll.

Zur Deckung der deutschen Nachfrage nach Wasserstoff wird man zu mindestens anfänglich jedoch nicht um den Import von blauem Wasserstoff herumkommen, so wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) plant, zukünftig aus Norwegen blauen Wasserstoff per Pipeline zu beziehen. Konsens herrschte darüber, dass dieser Import von blauem Wasserstoff nicht zu einem Risiko für den Hochlauf des grünen Wasserstoffmarktes in Deutschland führen darf.

Eine Premiere feierte die Vergabe des H2-Age Award für Start-Up Unternehmen auf dem 2. Nationalen Wirtschaftsforum Wasserstoff. Der H2-Age Award für Start-Up Unternehmen verfolgt das Ziel, innovative Produkte, Verfahren und Geschäftsmodelle bekannter zu machen und junge  Unternehmen aktiv zu unterstützen. Gerade die momentan neu entstehende Wasserstoffwirtschaft ist in dieser jungen Phase geprägt von innovativen Konzepten, die durch eine Vielzahl neuer Start-ups entwickelt und umgesetzt werden. Der mit 5.000 € dotierte Preis des beginnenden Wasserstoff-Zeitalters wurde an das Wasserstoff Start-up Unternehmen ionysis GmbH aus Freiburg vergeben.

 

 

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